Fotorückblick #2: Wieder Stillstand. Anders als im Frühling?

Der Oktober endet für viele mit schlechten Nachrichten. Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen startet Deutschland ab Montag mit verschärften Maßnahmen in die neue Woche. Vieles wird ab dem 02. November wieder geschlossen, gestrichen, verschoben, zum Stillstand gezwungen. Auch wenn es anders sein wird als im Frühling: ein zweites Mal in diesem Jahr ist kaum etwas planbar. Kontakte werden beschränkt. Für manch einen geht es um die Existenz.

Die Maßnahmen sollen zunächst einen Monat gelten. Dann ist Dezember. Ohne Weihnachtsmärkte und Basare. Werden die Menschen dann Nordmanntannen, Lebkuchen und Glühwein hamstern? Ich halte mittlerweile alles für möglich.

Vielleicht gibt es in der Adventszeit ja wenigstens Schnee.

Frostige Momente und Balkonfreundschaften

Ich mag klare, frostige Luft. Für einen richtigen Wintermoment muss ich in meiner Fotokiste allerdings lange kramen:

Diese Fotos sind an der Ihme in Hannover entstanden, an einem nebligen Morgen, an dem Raureif alles überzogen hatte. Ich war in aller Frühe den nebelverhangenen Fluss entlang geradelt, auf der Suche nach Wintermotiven für einen Fotokalender. Nun seht ihr sie hier im Rückblick 2020, auch wenn sie aus dem Dezember 2019 sind. Sie sind einfach zu schade, um sich auf der Festplatte zu stapeln.

Nun aber weiter mit 2020. Viele von euch freuen sich auf die Sommerbilder. Und: es ist sogar noch Frühling über!

Als wir zum Beginn der Pandemie das erste Mal in diesem Jahr so gut es ging zu Hause blieben, wurde unser Balkon zum Draußenort. Mitte März 2020 verhängte die EU einen Einreisestopp. Gleichzeitig versuchte das Auswärtige Amt, tausende im Ausland festsitzende Urlauber nach Hause zu bringen.

Wir saßen mitten in Hannover zwischen unseren Blumenkästen. Die Stadt war mit einem Mal so still, wie sonst nur an Feiertagen. Die Kamera hatte ich immer in Reichweite. Und vieles, was unscheinbar daher kam, wurde schön:

Als der erste Schock über geschlossene Geschäfte, Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln vorbei war, kehrte das Leben in unsere Straße zurück. Und mit ihm Freunde, die mit dem Fahrrad unter dem Balkon stoppten, sich den Kopf verrenkten und mit uns über Tulpen hinweg plauderten.

Von Mauerbienen zum Frühstück …

Während wir immer häufiger draußen frühstückten, schlüpften zwei Armlängen weiter die gehörnten Mauerbienen und bauten an ihren Niströhren:

Ich bin jedes Jahr von Neuem fasziniert, wieviel Pollen sie in ihrer Bauchbürste anschleppen. Unermüdlich, von morgens früh bis Sonnenuntergang. Was für eine Ausdauer!

Diese Biene kommt mit Bau-Material zwischen ihren Mundwerkzeugen zurück zur Nisthilfe:

Gehörnte Mauerbiene

Die kleine Lehmkugel, die hier feucht zwischen ihren Mandibeln glänzt, wird die Mauerbiene in mühevoller Kleinarbeit in der Röhre verstreichen, um ihre Brutzelle zu verdeckeln.

… und Mäuseattacken im Hinterhof

Hätte ich 2019 geahnt, dass wir im Frühling noch mehr Zeit als sonst hier oben verbringen – ich hätte mir mit Winterlingen, Krokussen und Tulpen mehr Mühe gegeben. Wahrscheinlich hätte ich die Kästen und Töpfe schon früher aus ihrem Winterquartier im Hof geholt. Dann hätten die Mäuse sie auch nicht überfallen:

Abgenagte Perlhyazinthe

So wie diese Perlhyazinthe sahen viele Pflänzchen aus. Mit den Winterlingen haben die Mäuse richtig Party gemacht. Von dem Blütenblätter-Konfetti, das sie mir hinterließen, habe ich versäumt, ein Foto zu machen.

Noch Wochen später habe ich Fraßspuren entdeckt, die mit den Blüten einfach mitgewachsen waren. Sogar bei dieser Tulpe:

Tulpe

Ich gebe zu, hier hat das Loch kaum gestört, es sieht auf dem Foto sogar recht hübsch aus. Ohnehin war diese Tulpe sehr fotogen:

Sie hatte leider eine von diesen Blüten, die Insekten nichts zu bieten haben und nur dazu gezüchtet wurden, gut auszusehen.

Bei Scilla und Perlhyazinthen sah das schon anders aus. Die frisch geschlüpften gehörnten Mauerbienen fanden vor allem das Nektar- und Pollenangebot der Blausterne toll:

Mauerbiene an Scillablüte

Zu meinen liebsten Fotomotiven im Frühling gehören die gelben Wildtulpen. Vielleicht auch, weil sie im Balkonkasten über der Straße wachsen und sich so wahlweise mit Himmel oder Asphalt im Hintergrund in Szene setzen lassen:

Wilde Tulpen

Und so richtig Frühling ist dann, wenn Beinwell und Schnittlauch blühen und die ersten Hummeln unseren Balkon entdecken:

Schön, oder?


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  1. Vielen Dank für diesen schönen Beitrag! Das sind wunderbare Fotos!!! Außerdem danke für die tollen Hinweise zu den insektenfreundlichen Pflanzen. Ich bekomme richtig Lust, selbst auch Perlyazinthen, Wildtulpen, Beinwell und Co. zu pflanzen – für den nächsten Frühling, wenn hoffentlich die Lage wieder besser ist.

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