Fotorückblick #5: Auch Wespen trinken Wasser

Langsam wird es Winter. Mancherorts in Niedersachsen hat es schon geschneit, dennoch gibt es weiterhin zu wenig Niederschlag. Das lässt sich am Dürremonitor des Helmholtzzentrums verfolgen. Die Grafiken zeigen, dass den Böden in vielen Regionen Deutschlands das Wasser fehlt.

Vielleicht liegt es an den Hitzesommern, dass ich mittlerweile viele Fotos in meinem Fundus habe, auf denen Wespen auf der Suche nach Wasser sind. Vielleicht schaue ich mittlerweile auch einfach nur genauer hin. Auch Wespen trinken Wasser. Obwohl sie es tatsächlich eher tanken: sie schleppen es weg, um ihr Nest und ihre Brut bei Hitze zu kühlen.

Die Wilde Karde als perfekte Insektentränke

In diesem Sommer habe ich Wespen beobachtet, die an der Wilden Karde Wasser holten. Diese Pflanze wird zu Recht Zisternenpflanze genannt, weil sich in ihren Blattachseln Regen- oder auch Gießwasser sammelt. Ende Mai kam diese kleine Wespe das erste Mal vorbei:

Auch Wespen trinken Wasser

Sie gehört nicht zu den beiden in Deutschland häufigen Arten, die wir alle kennen, weil sie im Spätsommer den Pflaumenkuchen überfallen. Sie ist kleiner, hat einen schmaleren Körperbau und eine andere Zeichnung. Auch verhält sie sich anders als ihre aufdringlichen Schwestern. Ich habe sie noch nicht bestimmen können. Vielleicht ist es auch eine Solitärwespe, also eine ohne Staat. Solitärwespen kümmern sich allein um ihre Brut.

Wenn ich abends neben der Karde saß, die im Sommer direkt an der Balkontür stand, war die Wespe irritiert. Sie änderte dann ihre Einflugschneise. Zur Not kam sie später wieder, wenn ich den Platz gewechselt hatte, lies sich aber nie davon abbringen, Wasser zu holen.

Wespen, die auf Wasser stehen

Ein ähnliches Verhalten habe ich bei Feldwespen (Polistinae) im Sommer an einem kleinen Gartenpool beobachtet. In einer Fußwanne am Einstieg zum Becken schafften es diese Wespen sogar, direkt auf der Wasseroberfläche zu landen, zu trinken und von dort ohne Mühe wieder abzuheben.

Blöd für die Fotografin war, dass leichte Brise an diesem heißen Augusttag zwar für etwas Abkühlung sorgte, die Wespen aber durch den leichten Wind wie Spielzeug auf dem Wasser Hin und Her trieben und so immer wieder in den Schatten der Wanne gerieten.

Welchen Trick benutzen diese Insekten, damit sie nicht untergehen? Ich habe schon andere Wespen beobachtet, die durch das zusätzliche Gewicht nach dem Trinken kaum abheben konnten.

Ich vermute, dass ihnen bei der Wasserlandung ihr Körperbau und ihre langen Beine zu Gute kommen. So wie bei den Wasserläufern, die ja auch die Oberflächenspannung nutzen, um übers Wasser zu flitzen.

Bei An- und Abflug sind die langen Beine der Feldwespen übrigens auch ohne Kamera gut zu erkennen.

Feldwespen sind in der Regel friedlich und interessieren sich nicht für Menschen. Ich konnte mit meiner Kamera sehr nah ran, ohne dass ich den Eindruck hatte, sie zu stören.

Wenn die Wespe zum Aufräumen anrückt

Der Klassiker im Sommer sind ja die Deutschen Wespen (Vespula germanica) und die Gemeinen Wespen (Vespula vulgaris), die uns auf die Nerven fallen, weil sie auf der Suche nach Eiweiß und Zucker wahre Raubüberfälle starten.

Wir hatten an einem schönen Sommermorgen ein paar Brocken Rührei auf dem Balkonboden vergessen. Dabei entstand diese Serie:

Eine Wespe holt sich Essensrest

Für die Fotografin war das natürlich super. Die Wespe kam so oft wieder, bis das Ei vollständig abtransportiert war. Ich konnte mich also in Ruhe auf den Boden legen und das Objektiv scharf stellen. Diese Feinschmeckerin hier ist übrigens eine Deutsche Wespe. Man erkennt es an der Zeichnung auf ihrem Stirnschild, die sich von der Gemeinen Wespe unterscheidet.

Der Bienenwolf schleppt Honigbienen in seinen Bau

Eine ganz andere Wespe beobachte ich nun schon das zweite Jahr direkt vor unserer Haustür: den Bienenwolf (Philanthus triangulum). Er gehört zur Familie der Grabwespen. Auch in diesem Jahr war er direkt neben dem Eingang in den Steinfugen fleißig am buddeln. Oder besser gesagt sie. Denn die Nisthöhlen graben die Weibchen.

Es ist immer wieder beeindruckend, wieviel Sand diese kleinen Tiere bewegen können. In ihre Höhlen schleppen sie dann per Stich gelähmte Honigbienen, die sie dort für ihren Nachwuchs als Nahrung deponieren.

Ich hoffe, dass die wenigen Wölfe, die an unserer Hausmauer ein sonniges, trockenes Plätzchen gefunden haben, im nächsten Jahr nicht Bauarbeiten zum Opfer fallen. Unsere Straße soll saniert werden.

Zum Schluss noch etwas Taille

Euch schwirrt schon der Kopf vor lauter Wespen? Eine habe ich noch:

Eine Wespe sitzt auf einer Rainfarnblüte

Das ist mal eine Wespentaille, oder? Ich finde die Form dieser Wespen ganz und gar außergewöhnlich. Es könnte sich um eine Pillenwespe (Eumenes) handeln. Im August, als der Rainfarn im Balkonkasten blühte (der sich übrigens selbst dort angesiedelt hat – keine Ahnung woher er kommt) – war sie einen ganzen Morgen immer wieder zu Besuch.

Damit endet mein Fotojahresrückblick 2020. Als ich mit Rückblick #1 und Schmetterlingen begonnen habe, hätte ich nicht gedacht, dass ich sechs Wochen später mit Wespen enden werde. So kann es gehen. Ich hoffe, es hat euch gefallen.


Fotorückblick #1 Fotorückblick #2 Fotorückblick #3 Fotorückblick #4


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.