Wilde Karde: Eine insektenfreundliche Wildpflanze

Mein Star für Insekten auf dem Balkon im Sommer 2020: die Wilde Karde (Dipsacus fullonum), eine einheimische, insektenfreundliche Wildpflanze mit Nektar- und Pollenangebot. Die Wilde Karde blüht von Juni bis August, je nach Witterung. Ich finde sie wunderschön! Sie blüht außergewöhnlich und ist wertvoll für Insekten und Vögel.

Allerdings ist sie stachelig und damit auf einem Balkon eine echt kratzige Angelegenheit. Ich bin an ihr schon häufiger hängen geblieben. Da wird schnell klar, warum ihre Blütenstände früher zum Kämmen von Schafwolle verwendet wurden.

Insektenfreundliche Wildpflanze für Hummeln …

Für Hummeln ist die Karde eine große Freude. Wenn sich die ersten blassen Blüten in den Kratzköpfen geöffnet haben, stiefeln vor allem Erdhummeln auf ihnen herum und schlürfen Nektar. Gegen den Uhrzeigersinn, mit dem Uhrzeigersinn, sehr bedächtig und ohne sich stören zu lassen. Manchmal auch im Team.

Und die Stacheln an den Blütenköpfen sind für Hummeln gar kein Problem. Die Karde ist wirklich sehr freundlich.

Auf einem Balkon ist die Wilde Karde wohl eine eher seltene Pflanze. Man muss das mögen, so viel Natur.

Ich verdanke sie einem kleinen Samentütchen vom BUND, das ich vor zwei Jahren auf einer Saatgutbörse bei einem Kleingärtnerverein in Hannover geschenkt bekommen habe. 2019 habe ich die Karde ausgesäht und zwei Pflanzen sind sehr gut über den Winter gekommen.

… und Schwebfliegen

Schwebfliegen sind Karden-Fans. An den Nektar kommen sie wohl nicht heran, aber den Pollen nehmen sie gerne mit.

Schwebfliege auf Wilder Karde
Der Blütenkranz startet in der Mitte und wandert nach oben und unten.

Wer diese Wildpflanze kennt, entdeckt sie in der Natur häufiger. Ich selbst habe sie in diesem Jahr das erste Mal wahrgenommen. Am bekanntesten sind wahrscheinlich ihre Blütenstände im Herbst, die dann sehr dekorativ in der Landschaft stehen und in mancher Blumenvase landen.

Vögel freuen sich übrigens über die Samen. Vor allem Stieglitze kommen gerne vorbei und picken sie aus den distelartigen Köpfen, weshalb die Karde ein wertvolles Schmuckstück im Garten ist.

Die Pflanze blüht nach Aussaat leider erst im zweiten Jahr. Im ersten Jahr bildet sich eine Rosette aus Blättern am Boden, im zweiten Jahr wächst daraus ein Stengel empor, an dem sich die Blüten bilden. Dieser Blütenstängel kann übrigens fast zwei Meter hoch werden.

Wilde Karde wächst im Balkonkasten
Wohin mit der zweiten Pflanze? Bei uns kam sie in den Balkonkasten

Ursprünglich dachte ich ja , ich hätte es bei dieser Wildpflanze mit einer Distel zu tun, die mit Trockenheit klar kommt. Deshalb habe ich sie auf unseren Balkon geholt, der stark der Sonne ausgesetzt ist und auch mal trocken fällt.

Am ersten offiziellen Sommertag 2020 aber, als die Erde im Topf trocken wurde, ließ die Karde gleich die Köpfe hängen. Keine Distel also. Mittlerweile bin ich schlauer. Karden gehören zur Familie der Geißblattgewächse und haben dort eine eigene Unterfamilie: die Kardengewächse.

Karden mögen es feucht und sind daher auch an Flussläufen oder saftigen Waldrändern und Wiesen zu finden. Sonnig sollte es an ihrem Standort außerdem sein.

Die Karde bietet Durstigen Wasser

Wenn es regnet sammelt diese insektenfreundliche Wildpflanze übrigens Wasser. Ihre Blätter sind am Stil zusammengewachsen und bilden dort eine Art Becher, was ideal ist, um Regenwasser aufzufangen. Es heißt, durstige Wanderer hätten sich früher darüber gefreut. Hier auf dem Balkon freuen sich die Wespen. Es war wunderschön zu beobachten, wie sie die kleinen Wasserbecken anfliegen, sich in Position bringen, trinken und schwer vom Wasservorrat wieder abheben.

Wespen kühlen mit dem Wasser unter anderem ihr Nest. Diesen Wassertransport habe ich auch schon bei Feldwespen an einem Pool beobachtet.

Wohl wegen dieser Eigenschaft wird die Karde auch Zisternenpflanze genannt.

Und dann soll ihre Wurzel auch noch Heilkräfte haben. Mal sehen, vielleicht grabe ich sie im Herbst aus und lese nochmal genau nach, was mit ihr möglich ist.

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