Wilde Karde: Die Freundin der Hummeln

Mein Star für Insekten auf dem Balkon in diesem Sommer: die Wilde Karde (Dipsacus fullonum), eine einheimische Pflanze mit Nektar- und Pollenangebot. Blüht von Juni bis August, je nach Witterung. Wunderschön, außergewöhnlich und wertvoll für Insekten und Vögel.

Aber eine echt kratzige Angelegenheit! Ich bin an ihr schon häufiger hängen geblieben. Da wird schnell klar, warum ihre Blütenstände früher zum Kämmen von Schafwolle verwendet wurden.

Eine Runde Nektar – links herum

Für Hummeln ist die Karde eine große Freude. Seit sich die ersten blassen Blüten in den Kratzköpfen geöffnet haben, stiefeln vor allem Erdhummeln auf ihnen herum und schlürfen Nektar. Gegen den Uhrzeigersinn, mit dem Uhrzeigersinn. Manchmal auch im Team.

Auf einem Balkon ist die Wilde Karde wohl eher eine seltene Pflanze. Ich verdanke sie einem kleinen Samentütchen vom BUND, das ich vor zwei Jahren auf einer Saatgutbörse bei einem Kleingärtnerverein in Hannover geschenkt bekommen habe.

Im vergangenen Jahr habe ich die Karde ausgesäht und zwei Pflanzen sind sehr gut über den Winter gekommen.

Nur Blüten im Kopf

Auch Schwebfliegen sind wilde Karden-Fans. An den Nektar kommen sie -glaube ich- nicht heran, aber den Pollen nehmen sie gerne mit.

Schwebfliege auf Wilder Karde
Der Blütenkranz startet in der Mitte und wandert nach oben und unten.

Wer die Karde kennt, entdeckt sie in der Natur häufiger. Ich selbst habe sie in diesem Jahr das erste Mal wahrgenommen. Am bekanntesten sind wahrscheinlich ihre Blütenstände im Herbst, die dann sehr dekorativ in der Landschaft stehen und in mancher Blumenvase landen. Vögel freuen sich übrigens über die Samen. Auch darum ist die Karde ein wertvolles Schmuckstück im Garten.

Die Pflanze blüht nach Aussaat im zweiten Jahr und kann übrigens fast zwei Meter hoch werden.

Wilde Karde wächst im Balkonkasten
Wohin mit der zweiten Pflanze? Bei uns kam sie in den Balkonkasten

Eigentlich dachte ich ja , ich hätte es mit einer Distel zu tun, die mit Trockenheit klar kommt. Am ersten offiziellen Sommertag 2020 mit leicht trockener Erde im Topf ließ die Karde aber gleich die Köpfe hängen. Keine Distel also. Mittlerweile bin ich schlauer. Karden gehören zur Familie der Geißblattgewächse und haben dort eine eigene Unterfamilie: die Kardengewächse.

Sie mögen es feucht und sind daher auch an Flussläufen oder saftigen Waldränder und Wiesen zu finden. Sonnig sollte es außerdem sein.

Eine Zisterne für Insekten, Vögel und durstige Wanderer

Wenn es regnet sammelt die Karde übrigens Wasser. Ihre Blätter sind am Stil zusammengewachsen und bilden dort eine Art Becher. Ideal, um Regenwasser aufzufangen. Es heißt, durstige Wanderer hätten sich früher darüber gefreut. Hier auf dem Balkon freuen sich die Wespen.

Wohl wegen dieser Eigenschaft wird die Karde auch Zisternenpflanze genannt.

Und dann soll ihre Wurzel auch noch Heilkräfte haben. Mal sehen, vielleicht grabe ich sie im Herbst aus und lese nochmal genau nach, was mit ihr möglich ist.

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