Der Wolf, der Bienen jagt

So lange habt ihr nichts von mir gehört – und dabei gibt es doch sooooo viel zu erzählen. Vom Bienenwolf zum Beispiel.

Ja, ihr habt richtig gehört. Ich wollte es zunächst auch nicht glauben.

An einem Abend im Juli war es. Es war unglaublich heiß in unserer Straße, da bemerkte ich die Häufchen Sand und Kiesel an der Hausmauer. Und einen seltsamen Gesellen, der dort fleißig buddelte. Der Sand flog nur so nach hinten, zwischen seinen Beinchen hindurch. Dabei schob er sich rückwärts aus einen Gang zwischen den Pflastersteinen heraus:

Und dabei ist er nicht besonders groß:

Hauptsache sandig und trocken: Die Zigarttenkippe stört den Bienenwolf überhaupt nicht.

Das konnte keine normale Wespe sein. Eine kurze Internetrecherche brachte neben vielen grausamen Tipps, Ameisen zu vernichten, diesen latenischen Namen: Philanthus triangulum. Bienenwolf. Ein Vertreter der Grabwespen.

Er gräbt und gräbt und gräbt…

Gerne nistet er sich dort ein, wo es sonnig und trocken ist. In seiner Bruthöhle herrschen hohe Temperaturen und Feuchtigkeit. Glaub‘ ich gerne. Die Hitze der Steine war noch zu spüren – dabei war die Sonne längst um die Ecke verschwunden. In den nächsten Tagen kam immer erst am Abend zum Vorschein.

Der Wolf hatte mich ganz schön gepackt. Schon am nächsten Abend saß ich auf dem Gehsteig mit Stativ und Kamera so machem Fußgänger im Weg. Die meisten beachteten mich nicht. Ein paar meinten: Ah, Ameisen! Ich begann mir Sorgen zu machen, dass irgendjemand was dagegen haben könnte, dass dieses Insekt mit den großen Augen und der Gesichtsmaske unseren Gehsteig unterhöhlt. Deshalb fegte ich ab sofort jeden Abend die Sandhäufchen zusammen. Das war gar nicht mal so wenig. Die Wölfe störte das nicht. Sie gruben unbeirrt weiter, wenn ich weg war. Oder buddelten ihr Loch wieder frei, sollte ich es aus Versehen zugefegt haben. Drei habe ich gezählt, die gleichzeitig zu sehen waren. Löcher gab es mehr.

Gelähmte Bienen unterm Gehsteig

Wenn man weiß, dass die fleißige Grabwespe Gänge bis zu einem Meter Länge unter der Erde anlegt, wird auch klar, woher der ganze Sand kommt. Am Ende der Gänge befinden sich verzweigt die Brutkammern. Dort wird die Nahrung für den Nachwuchs deponiert.

Und jetzt kommt es. Nahrung heißt in diesem Fall: Lebendige Honigbienen.

Die jagt Mrs Wolf. Sie legt sich in der Nähe von Blüten auf die Lauer, schnappt sich eine Biene, lähmt sie mit Gift aus ihrem Stachel und trägt das Insekt (das nicht viel kleiner ist als sie) unter dem Bauch umklammert in die Bruthöhle. Dort wird Maja als Lebendfutter abgelegt. Wie so ein Bienenwolf mit Beute ausschaut, seht ihr hier: www.wissenschaft.de/umwelt-natur/bienenwolf-nutzt-giftgas-gegen-schimmel

Sollte mir jemals so ein Foto, wie in dem Artikel gelingen, mache ich einen Sekt auf.

Endlich. Wolfsbesuch auf dem Balkon

Ich war ganz aus dem Häuschen, als ich vor ein paar Tagen endlich einmal eine Wölfin auf unserem spätsommerlichen Balkon entdeckte. Die Insekten sind sehr scheu. Anders als die sonst so aufdringlichen Wespen, die sich überall rumtreiben. Man muss höllisch aufpassen, einen Bienenwolf mit der Kamera nicht zu vertreiben.

Schön, oder? Sie saß dort für eine Weile im Steinquendel. Als sie dann den Kopf drehte und mir direkt ins Objektiv schaute, war ich echt beeindruckt. Sie kann den Kopf so wenden, dass man sich echt ertappt fühlt.

Leider habe ich sie seitdem nicht wieder gesehen. Es mag daran liegen, dass wir in diesem Sommer nur wenig Honigbienen zu Gast haben. Was ein Glück für die Bienen, wie wir nun wissen. Und die Wildbienen auf unserem Balkon scheinen nicht auf der Speisekarte der Bienenwölfe zu stehen – nach allem, was ich bislang gelesen habe.

Irgendwann müssen die Wölfe aus unserer Straße aber erfolgreich gewesen sein. Oder sie waren anderswo jagen. Die Löcher zwischen den Pflastersteinen sind jedenfalls mittlerweile zu. Mal sehen, ob dort im nächsten Jahr neue Wölfe schlüpfen.

Bienenwölfe sind übrigens recht selten. Das habe ich bei einem Telefonat mit dem NABU hier in Hannover noch erfahren. Imker haben sie früher versucht zu vertreiben. Angeblich auch mit Gift. Klar, die Räuber haben sich ja immer über die Honigbienen her gemacht. Allerdings glaube ich nicht, dass so ein paar geklaute Bienen ein Volk wirklich schwächen können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.